Faserstoffe für Papiere und Verbundwerkstoffe mit Zukunft

Im Turnus von zwei Jahren lädt die PTS Experten aus Forschung und Industrie zu ihrem PTS Faserstoff Symposium nach Dresden ein. Vom 25.-27. November vergangenen Jahres, pünktlich zur Eröffnung des traditionellen Dresdner Striezelmarktes, fanden sich so nahezu 90 Teilnehmer im Konferenzsaal des art´otel Dresden ein. Die Anzahl der Teilnehmer übertraf bei weitem das, was sich Tiemo Arndt (Geschäftsbereichsleiter Fibres & Composites) erhofft hatte. Aber nach einhelliger Meinung aller Gäste, waren das Programm und die Referenten wohl gewählt und machte die Veranstaltung für alle Beteiligten zu einem lohnenswerten Symposium.

Eingeleitet wurde das Seminar durch die Session Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit mit einem Vortrag von Herrn Bentlage von Mercer Pulp Sales, der unter dem Eindruck der kurz zuvor organisierten London Pulpweek Symposium einen tiefen Einblick gewährte, wie globale Trends im Verbraucherverhalten und in der Rohstoffverfügbarkeit strategische Entscheidungen eines Langfaserzellstoffherstellers beeinflussen.
Die folgende Session Kostenoptimale Aufbereitung von Faserstoffen begeisterte nicht nur Fachleute der Faserstoffherstellung sondern auch das weiterhin brennende Thema der Mahlung von Zellstoffen im Kontext der kosten- und eigenschaftsoptimierten Aufbereitung. In diesem Zusammenhang führte Herr a Campo von Stora Enso Research einen erstaunlich Beweis auf mathematischer Ebene, der sich auch Nicht-Mathematiker erschloß, warum eine Fraktioniermahlung keinen zusätzlichen Mehrwert bringen kann. Dies warf natürlich Fragen auf, deren Herr a Campo sich im Nachgang bereitwillig stellte. Als Ergebnis wird Herr a Campo auf dem Forschungsforum „Faserstoff & Additive“ am 12. Mai dazu weitere Überlegungen präsentieren, ob sich diese Herleitung auch auf die Getrenntmahlung von Lang- und Kurzfaserzellstoffen anwenden ließe.

Der erste Tag wurde von Herrn Porkert von der Hochschule München in der Session Innovative Prozesse in der Stoffaufbereitung zur Papierherstellung abgeschlossen. Er präsentierte einen Auszug aus seinen umfangreichen Forschungstätigkeiten in Bezug auf die ASA-Leimung. Dem Publikum wurde hier abermals deutlich, wie wichtig es sein kann, postulierte Mechanismen zu hinterfragen. Denn wie Herr Porkert erläuterte, handelt es sich bei der ASA-Leimung um einen physiko-chemischen Mechanismus in der Wirkungsweise. Mit einer dahingehend optimierten ASA-Emulsion ließen sich bis zu 50% an ASA-Leim einsparen.

Am folgenden zweiten Tag durch die Session Herstellung von Faserstoffen für innovative Faserverbund- und Papierwerk¬stoffe eröffnet. Die Redner referierten dabei in welcher Art und Weise Faserstoffe modifiziert werden können, um Papiere mit völlig neuen Eigenschaften zu konzipieren oder um Faserverbundwerkstoffe mit diesen zu erzeugen. Herr Polikarpov von der PTS stellte in diesem Zusammenhang die Reaktiv-Extrusions-Platform im Technikum der PTS in Heidenau vor. Er zeigte anhand von ausgewählten Beispielen, wie herkömmliche Zellstoffe topo-selektiv in einem Doppelschneckenextruder derivatisiert werden können und sogar funktionalisierte mikrofibrilläre Cellulose herstellbar ist.

Folgerichtig widmete sich das Symposium in der abschließenden Session Anwendung von Papier- und Faserverbunden in Konstruktion und Leichtbau dann neuen Anwendungen von Werkstoffen, die auf einer Papiermaschine herstellbar sind. Besonders eindrucksvoll erläutere Herr Nendel von Cetex Institut für Textil- und Verarbeitungsmaschinen, welche verarbeitungsseitigen Anforderungen Neue Werkstoffe im Leichtbau erfüllen müssen. Mit Spannung erwarteten die Zuhörer auch den letzten Referenten. Herr Sauter von Spek Design aus Stuttgart, hatte dazu bereits am Vortag ein auf Wellpappenbasis hergestelltes Messebau- und Display-System aufgebaut, welches die Anforderungen der Brandschutzklasse B1 erfüllt. Dieses neuartige Baukastenprinzip wurde zu dem mit dem German Design Award in Gold 2016 prämiert. Herr Sauter berichtete also in seinem Vortrag über die lange Entstehungsgeschichte des Produkts und zeigte so, welche lange Vorlaufzeit mache Entwicklung benötigt um am Markt anzukommen.

Der Dritte Tag stand allen Teilnehmern offen, um die PTS in Heidenau und das angeschlossene Technikum zu besuchen. Somit wurde eine rund um sehr gut gelungene Veranstaltung abgeschlossen. Das nächste Symposium wird am 18.-29. November 2017 wiede ram gleichem Ort stattfinden.